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Unsere Meinung

1. Das Honorar

Unsere Honorarordnung ist umstritten – in Europa sowieso – aber auch unter Kollegen und Behörden. Man ist oft versucht ein günstiges Honorar auszurechnen, um an einen Auftrag zu kommen und die Behörden zahlen für zeitaufwändige Leistungen wie Brandschutz, Sicherheitskoordination usw. gerne nichts, um an der Planung zu sparen. Sicher ist eine normale Doppelhaushälfte in einem Bebauungsplangebiet in der Eingabeplanung günstiger als nach HOAI zu erstellen. Nach Ausschreibung und Werkplanung ist der Gewinn schon wieder verbraucht und eine ordnungsgemäße Bauleitung ist dann ein reines Verlustgeschäft.

Kein anderer Akademiker würde zu derart unauskömmlichen Honoraren arbeiten und seinen Stundensatz mit 20,00 € ansetzen. Die Angestellten in den Büros verdienen zu wenig, weil die Chefs zu knapp kalkulieren und sich nicht trauen ein notwendiges Honorar zu fordern – es könnte ja sonst ein Auftrag verloren gehen. Daher sind auch in allen Umfragen und Studien die kleinen Büros am Existenzminimum. Die Devise müsste heißen: Lieber ein Auftrag zu auskömmlichem Honorar, als zwei Aufträge ohne Gewinn. Die unternehmerische Herangehensweise an Aufträge fehlt den Architekten. Im Studium wird hier nichts vermittelt. Geringe Solidarität im Honorar untereinander wird verursacht durch die sonstigen Bauvorlageberechtigten, für die die Unterschreitung der HOAI normal ist.

Die HOAI wird mit einem Vertragsverletzungsverfahren derzeit auf europäischer Ebene wieder angegriffen. Die HOAI ist als Grundlage des Honorars im öffentlichen Bereich nicht verzichtbar. Im freien Wettbewerb sollten Bauträger, Schlüsselfertigbauer oder Handwerker gezwungen werden, die tatsächlichen Planungskosten auszuweisen und diese nicht in Bauleistungen verrechnen dürfen. Dann würde sich auch über Angebot und Nachfrage ein wirtschaftlich sinnvoller Preis entwickeln. Außerdem würde für jede Architektenleistung vorher ein Vertrag oder mindestens eine schriftliche Honorarvereinbarung getroffen.

2. Die Bauvorlageberechtigung

Jeder, der Bauanträge bei der Behörde einreicht, kennt die Sachbearbeitung: In jeder Suppe kann man ein Haar finden. Jede Behörde hat ihre Eigenheiten. Der Vorgang ist komplex und erfordert Orts-, Sachkenntnis und Zeit. Der Handwerksmeister ist an der Baustelle bei der Erstellung seines Werkes (norm- und richtliniengerecht) oft überfordert und der bauleitende Architekt muss selbstverständliche Ausführungen regelmäßig korrigieren.

Obwohl der Handwerker eigentlich mit seiner eigenen Tätigkeit mehr als ausgelastet ist, verwendet er seine Zeit mehr mit Planungen als mit der Bauausführung. In der Meisterausbildung lernen die jungen Meister nicht primär, wie man so baut, dass es keine Probleme mit Mängeln gibt, sondern wie auf die Schnelle nebenbei ein Eingabeplan gemacht wird: zum günstigen Preis – kostenlos bei Auftrag. Es wird den jungen Leuten auch vermittelt, dass ein Werkplan besser vom Handwerker erstellt wird, nicht von einem Architekten, der ja nichts davon versteht und viel zu teuer ist. Was passiert, wenn die Behörde auf die Idee kommt und alle notwendigen Nachweise einschließlich der ordnungsgemäßen Ausführung prüft, erleben wir manchmal. Die Nachweise fehlen oder sind mangelhaft. Der Bebauungsplan ist nicht vollständig eingehalten.

Aber: Es wird letztendlich alles geduldet, da der Bauherr hier überfordert war und der Planer sowieso.
Daher: Bauvorlagen und Ausführungspläne nur an Fachleute = Architekten zu auskömmlichem Honorar. Nur der Architekt ist sachkundig und unabhängig.

3. Die Rentenversorgung

Die anhaltende Niedrigzinsphase reduziert unsere Renten. Mit sicheren Kapitalanlagen (z.B. deutschen Staatsanleihen) kann keine langfristige Rendite mehr erwirtschaftet werden. Zu Zeiten, in denen Immobilien günstig und die Rendite nicht ganz so hoch war, wurde nicht in Gebäude investiert – zu hoher Verwaltungsaufwand, unsichere Mieteinnahmen, hohe Abnutzung. Heute wird auch die Immobilie akzeptiert, sogar in risikoreiche Kapitalanlagen muss investiert werden. Die jährliche Rentenberechnung gibt keine Beträge mehr an, sondern nur Punkte. Die tatsächliche Höhe der Rente bleibt so im Verborgenen. Eine Anhebung der Renten (Dynamisierung) ist kaum mehr möglich und wenn, dann im Promillebereich. Wie soll ein normal verdienender Angestellter so eine auskömmliche Altersversorgung aufbauen?

Unser hoch gepriesenes Rentensystem hat Schwächen, weil die Rentenbezieher immer älter werden, die Anlagerenditen zu gering sind und die Löhne der Beitragszahler nicht in ausreichendem Maß steigen, um höhere Beiträge leisten zu können. Die Folge wird ein Altersarmutsproblem sein. Wenn alle Rentner bis zum Tod weiterarbeiten müssen, weil die Rente nicht reicht, ist das erst recht keine Lösung des Problems, da dann die Jungen mangels Aufträgen und Arbeit noch weniger einzahlen können. Die Rente aus der Architektenversorgung ist zum Sorgenkind geworden und braucht dringend eine Neuorientierung und eine zukunftsgerechte Umstrukturierung.

4. Ausbildung und Fortbildung

Die Dauer der Berufsausbildung ist durch europäisches Recht festgelegt und daran wird sich auch durch den Widerstand der BayAk nichts mehr ändern. Jeder, der in einem anderen deutschen Bundesland oder in einer anerkannten Kammer eines EU-Landes in der Architektenliste eingetragen ist, wird anschließend auch in Bayern eingetragen. Unsere Professoren haben für Bologna und damit die Studienreform gestimmt – auch wenn sie heute dagegen sind. Man kann stundenlang diskutieren wie lange Berufsausbildung und Praktikum sein sollen. Tatsache war, dass unsere jungen Leute im internationalen Vergleich zu lange Studienzeiten hatten. Eine Reform war notwendig. Und wer als Dipl.-Ing. an seine Studienzeit zurückdenkt, wird zugeben, dass eine gewisse Straffung des Studiums möglich gewesen wäre.

Wichtiger als lange Studienzeiten ist ein praxisorientiertes Praktikum über einen breit gefächerten Arbeitsbereich, wie es die Eintragungsordnung fordert. Doch in den meisten Büros ist der Architekt im Praktikum günstige Arbeitskraft für spezialisierte Tätigkeiten (Wettbewerb, Werkplan usw.) und kommt in seiner Praktikumszeit niemals mit dem gesamten Leistungsbild der HOAI in Kontakt. Hier liegt der Mangel. Die Hochschule konnte noch nie einen perfekten Architekten liefern, der alles beherrscht. Doch früher wurde in den Büros eine umfassende Leistung an den Auftraggeber abgeliefert und diese Arbeiten wurden nicht von 10 Spezialisten außerhalb zugeliefert.

Ein Problem bei der Baugenehmigung: Das erledigt ein Jurist.
Die Ausschreibung: Viel zu komplex, dafür gibt es Speziallisten.
Modell oder 3D-Darstellungen erledigen externe Fachleute billiger.
Die Werkplanung: Im Büro zu teuer, zu lang dauernd, zu fehleranfällig.
Die Bauleitung: Wer will sich diesen Stress antun. Da gibt’s doch Fachleute.
Was bleibt im Büro: Die Koordination.

Wo bleibt also unser Anspruch an ein komplettes Werk? Können wir es nicht mehr leisten oder wollen wir es nicht mehr leisten? Einzelne kleine überschaubare Aufgaben, die uns die Handwerker überlassen, können wir noch bewältigen. Würde uns Fortbildung helfen? Die in einigen Bundesländern vorgeschriebene jährliche Weiterbildung ist sicher ein Gewinn. Kontakt mit Kollegen, Problemaustausch, Information zu neuen Produkten, Gesetzen, Trends. Wer hat die Zeit sich mehrmals jährlich den ganzen Tag in ein Seminar zu setzen? Sinnvoll wären Online-Seminare – auch außerhalb der Arbeitszeiten – mit einem breiten Fächer an Inhalten, durchaus auch Produkt bezogen und möglichst kostenfrei. Was wir selber beherrschen, können wir auch an Architekten im Praktikum weitergeben.

5. Reformierung des Baurechts und Bürokratieabbau

Als die bayerische Bauordnung reformiert wurde und eine Musterbauordnung für alle Länder eingeführt werden sollte, wurde uns von den Politikern viel versprochen: Der Architekt wird alleiniger Bauvorlageberechtigter. Er soll gleichsam wie ein Notar für die meisten Bauvorhaben die Genehmigung selber erstellen dürfen. Das Vier-Augen-Prinzip wird durch einen zweiten Architekten vollzogen – nicht durch die Behörde. Was ist daraus geworden? Jeder kann im Freistellungsverfahren Pläne einreichen, da hier keine Kontrolle mehr stattfindet. Im vereinfachten Verfahren wird nichts geprüft, bei Ausführungsbeginn der Bau sofort eingestellt, wenn der Architekt einen Fehler gemacht hat. Hat ein Sonstiger den Plan eingereicht, wird er im Verfahren auf Fehler aufmerksam gemacht. Diese Situation muss sich ändern: Architekt und Prüfarchitekt ersetzen die Genehmigungsbehörde und garantieren die Einhaltung der Vorschriften.

Die Baugesetze werden so eindeutig formuliert, dass auch im nicht überplanten Innenbereich diskussionslos gebaut werden kann. Der Außenbereich bleibt Planungshoheit der Kommunen und Genehmigungsbehörden. Das Baurecht sollte hier sinnvoll und nachvollziehbar den Außenbereich definieren (kein Außenbereich im Innenbereich) und sinnvolle Umnutzungen ermöglichen. Die Einhaltung von Normen muss auf das Wesentliche beschränkt werden. Es muss Maßtoleranzen geben und Vorschriften sollen nur das regeln, wo Schäden zu erwarten sind. Alles andere muss Planungsfreiheit bleiben. Regionale Unterschiede sind zwingend zu berücksichtigen. Zur Bereitstellung von günstigem Bauland für Einheimische müssen europakonforme Regelungen gefunden werden. Bürokratieabbau muss aber weiterhin oberste Priorität haben.

6. Auftragsverteilung

Der Verbraucherschutz kann in der Gebäudeplanung kein Kriterium für die Auftragsvergabe sein. Der Verbraucher ist nicht geschützt, wenn jemand, der in einem Punktesystem die meisten Punkte für Umsatz, Zahl der Mitarbeiter, PC usw. erhält, den Auftrag bekommt. Kein kleines Büro wird sich für einen 100 Mio. Auftrag bewerben, aber jedes Büro kann auch mit 3 Leuten einen Kindergarten bauen, auch wenn es nicht schon vorher 10 Kindergärten gebaut hat. Diese nach wie vor auf europäischer Ebene nicht umkehrbare Entwicklung muss gestoppt werden. Notfalls mit einem nationalen Alleingang.

Der Architektenwettbewerb – entschieden nach gestalterischen, funktionalen und wirtschaftlichen Prinzipien muss als Bewerbungssystem ausreichen. Allerdings müssen diese Wettbewerbe wieder für alle zugänglich werden. Dann werden sich auch die Teilnehmerzahlen – wie früher – wieder reduzieren. Wo kein Angebot, stürzen sich alle auf den einzigen freien Wettbewerb. Nur der freie Wettbewerb bietet Vielfalt, Weiterentwicklung und neue Ideen. Die Wettbewerbsanforderungen müssen so reduziert werden, dass eine Teilnahme mit einem überschaubaren Stundenaufwand möglich ist und so der finanzielle Verlust tragbar bleibt. Die Zuladung renommierter Büros für kleine Vorhaben sollte unterbleiben, da dies die Chancengleichheit unangemessen beschränkt.

7. Öffentlichkeitsarbeit für das Bauen mit Architekten

Die Beliebtheit des Architektenberufes zeigen die rasch steigenden Zahlen der Architekten in Bayern bzw. Deutschland. In der Öffentlichkeitsarbeit wurden schon Ansätze gemacht. Der Architekt ist aber nach wie vor als jemand bekannt, der viel zu teuer baut und dessen Honorar völlig überzogen ist. Die schöpferische Leistung wird nicht anerkannt, da inzwischen jeder Plan im Internet zu finden ist und die Meinung verbreitet ist, dass sogar komplexe Gebäude nur abgezeichnet werden und diese Tätigkeit ja kaum eine Bezahlung auslösen kann.

In der Politik wird völlig ignoriert, wie viele Arbeitsplätze durch die Architektentätigkeit gesichert werden und dass nur der Architekt den Wettbewerb unter den Bauleistenden sicherstellt. Die industrielle Gebäudefertigung führt zu temporären Bauten = mangelnde Nachhaltigkeit und beschäftigt nicht die örtliche Handwerkerschaft. Der Architekt sorgt für Arbeitsplätze am Ort, seine Gebäude berücksichtigen die aktuellen Trends im technischen Bereich (Energie) und sind nachhaltig und dadurch ökologisch sinnvoll. Das Haus als Wegwerfartikel ergibt auch heute noch keinen Sinn. Hier muss eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit einsetzten, die den Standard des Architektenhauses als notwendige Qualität darstellt. Der Versuch, Container als Architekturlösung zu verkaufen, ist bei uns nicht nachvollziehbar und die BayAK muss sich von solchen Lösungen distanzieren. Nur wegen ein paar Flüchtlingen kann doch nicht jahrtausende alte, gewachsene Baukultur weggeworfen werden. Da gibt es andere Lösungen. Die Preistreiber sitzen an anderer Stelle. Der Preis ist nicht alles.

In den Arbeitsgruppen für die Vorbereitung von Richtlinien, Gesetzen, Verordnungen usw. müssen in der Praxis stehende Architekten vertreten sein, die für diese Tätigkeit nur dann zugelassen werden, wenn sie ausreichende aktuelle Erfahrung haben. Die Anforderungen an die Digitalisierung in den Büros sind in der Öffentlichkeit völlig unbekannt. Diese Anforderungen gerade im öffentlichen Bau kosten erhebliche Summen. Der Wandel vollzieht sich in atemberaubendem Tempo und für viele bleibt nur der Weg zur Spezialisierung. Die vielfältigen Aufgaben des Architekten vom Brandschutz bis zur SiGe-Koordination sind weitgehend unbekannt. Hier besteht großer Handlungsbedarf. Ein paar Hochglanzbroschüren reichen nicht.